(Aus)Bildung
22.7.2026
Deutsch
3:44 Min
PEOPLE LEADERSHIP │ HALTUNG │ (AUS)BILDUNG
DAS BEWERBEN ALS FÜHRUNGSKRAFT FÜHLT SICH GERADE UNWÜRDIG AN.
In 2025 waren 49.000 Führungskräfte arbeitslos, was der höchste Stand seit fast 10 Jahren ist. Nach dem Wegfall von 177.000 Industriearbeitsplätzen (Spiegel) und der anhaltend schwachen Konjunktur dürften 2026 noch viele weitere hinzugekommen sein.
Doch hinter jeder Zahl steht erstmal ein Mensch.
Mir geht es heute um eine spezielle Beobachtung: Den Umgang mit erfahrenen Führungskräften.
Früher wurde Führungsverantwortung mit Respekt verbunden.
Heute habe ich häufig den Eindruck, dass dieser Respekt verloren gegangen ist.
Dabei sollte man doch anerkennen: Wer über Jahre oder Jahrzehnte Menschen geführt, Unternehmen weiterentwickelt, schwierige Entscheidungen getroffen und Verantwortung getragen hat, hat eine außergewöhnliche Leistung erbracht.
Ein Executive-Gehalt fällt schließlich nicht vom Himmel.
Und trotzdem stehen auch Führungskräfte irgendwann vor der Jobsuche. Entgegen vieler Vorurteile sind sie nicht automatisch finanziell ausgesorgt. Auch sie müssen ihre Familien versorgen und weitermachen.
Wie fühlt sich das aktuell an?
Es gibt einen unsichtbaren Stellenmarkt. Dieser ist unsichtbar und damit fiktiv, meistens nicht erreichbar.
Es gibt Netzwerke, die Aufmerksamkeit erzeugen, aber selten konkrete Möglichkeiten.
Karriereberater bombardieren einen mit Ratschlägen darüber wie der PE Investor seinen CV sehen will, die Personal Brand Anbieter möchten für 4k im Monat Deine LinkedIn Präsenz managen und der Reverse Recruiter ruft 30k auf, um Dein Profil bei den "Entscheidern" vorzulegen.
Stellen sind nach wenigen Stunden wieder geschlossen.
Absagen kommen automatisiert mitten in der Nacht.
Headhunter melden sich nach mehreren Gesprächen nie wieder.
Dringende Vakanzen sind plötzlich intern besetzt.
Anforderungsprofile fangen damit an, dass man jetzt vor Ort wohnen muss.
Und der Lebenslauf ist grundsätzlich falsch – zu lang, zu kurz, zu modern, zu klassisch, zu viele Keywords oder zu wenige.
Ein schwieriger Arbeitsmarkt ist das eine. Das ist schon schlimm genug.
Aber der Umgang mit Menschen ist etwas anderes.
Mich beschäftigt, wie selbstverständlich Würde im Bewerbungsprozess verloren gegangen zu sein scheint.
Von Führungskräften erwarten wir immer so viel.
Warum erwarten wir dieselbe Haltung nicht bidirektional?
Ausgerechnet in einer Zeit, in der Organisationen mit einer nie dagewesenen Komplexität kämpfen, werden erfahrene Führungskräfte häufig wie austauschbare Datensätze behandelt.
Das sind sie aber nicht.
Viele von ihnen haben über Jahre investiert: in ein Studium, in ihre fachliche Entwicklung, in Führungsverantwortung und in die Bereitschaft, schwierige Entscheidungen zu tragen.
Das verdient keinen Sonderstatus, aber Respekt.
Lohnt sich das heute überhaupt noch eine höhere Ausbildung zu machen und Führungskraft werden zu wollen?
In meinem neuen Video spreche ich darüber.
